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Die Faszination des Fliegens

Ultraleichtflugzeuge starten und landen auf dem Flugplatz in Erkelenz-Kückhoven

Kreis Heinsberg. Flugplatz Erkelenz, ´was hat es denn damit auf sich?` mag sich so mancher, mit dem Ultraleichtflug nicht Vertraute, fragen – der an der L 19 zwischen Erkelenz und Kückhoven entlang fährt. Hier weist das Schild „Flugplatz“ auf die rund eineinhalb Hektar große Anlage hin, die mit drei Hangar-Hallen, knapp 90 Ultraleichtflugzeugen und rund 130 Vereins-Mitgliedern der „Ultraleichtfluggemeinschaft Erkelenz“ sogar zu den größten Ultraleichtflug-Plätzen in Deutschland zählt.

Eine Urlaubsreise oder ein Kurztrip, und das per Flugzeug – in Corona-Zeiten gar nicht so einfach, wenn man in erster Linie an die Ferienflieger denkt, die aktuell kaum mehr im Einsatz sind.

Doch wer vom Ultraleichtfliegen fasziniert ist, für den ist ein Flug – gute Witterungsbedingungen einmal vorausgesetzt – durchaus möglich. Zum Beispiel bei einem Start ab dem Flugplatz in Erkelenz. „Aufgrund der rasanten technischen Entwicklung genießen Ultraleichtflugzeuge einen guten Ruf als sicheres, preiswertes und umweltfreundliches Sportgerät“, weiß Frank Rucman, der den Vorsitz im 31 Jahre alten Verein – genau so alt ist auch der Flugplatz – im Jahr 2013 übernommen hat. Er selber blickt auf eine zehnjährige Berufs-Erfahrung als Pilot zurück und ist im Jahr zwischen 80 und 100 Stunden in der Luft. „Um einen Flugschein zu erhalten, muss man alle zwei Jahre zwölf Flugstunden und einen Überprüfungsflug nachweisen. Ab dem 50. Lebensjahr gibt es zudem jedes Jahr eine flugärztliche Untersuchung, für die Jüngeren alle zwei Jahre“, weist Rucman auf den Background jener Piloten hin, die ultraleichtmäßig in der Luft sind. Wer mit einer der zweisitzigen Maschinen als Pilot abheben möchte, der muss eine Ausbildung absolvieren, die dem Auto-Führerschein ähnlich ist. Ein Abschluss nach 30 praktischen Flugstunden und fünf Theoriefächern ist notwendig um am Ende „die Freiheit des Fliegens“ genießen zu können. Und das, so sagt Rucman, kann dann auch durchaus mal spontan sein.

„Wir können hinfliegen, wo wir wollen, Flüge ins Ausland müssen allerdings angemeldet werden“, berichtet der 56-Jährige. Technik und Material bieten nach seinen Worten bei den Maschinen, die in der Anschaffung zwischen 50.000 und 250.000 Euro liegen, heutzutage ein hohes Maß an Sicherheit und Komfort. „Im modernen Cockpit mit Display-Anzeigen und auch mit einer Heizung ausgestattet können wir zu jeder Jahreszeit, also auch jetzt im Winter fliegen, wobei natürlich die Haupt-Flugzeiten eher zum Sommer hin liegen“, so der Vereinschef im Gespräch beim Besuch unserer Zeitung auf dem Flugplatz. Die dort stehend oder hängend in den Hangars untergebrachten Flieger, die Privatpersonen oder Fluggemeinschaften von zwei bis vier Eigentümern gehören, kommen dabei ebenso zum Einsatz wie drei Maschinen der auf dem Flugplatz untergebrachten Flugschule, die man auch chartern kann.

Wohin ein Flug geht, das ist bei den Starts und Landungen in Erkelenz völlig verschieden. Ein Rundflug über den Kreis Heinsberg oder die Eifel kann ebenso das Ziel sein wie das benachbarte Ausland. „Wir fliegen auf Sicht und müssen Mindestsichtweiten und Abstand zu den Wolken einhalten. Wir sind mit einer Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern unterwegs und fliegen dabei im unkontrollierten Luftraum unter 3000 Metern“, sagt Frank Rucman. Mit einer Tankfüllung kann man dabei in rund viereinhalb Stunden 800 bis 850 Kilometer zurücklegen. „Durch den geringen Treibstoffverbrauch kann sich das Ultraleichtfliegen fast jeder leisten und es ist eine günstige ökologische und ökonomische Alternative auch zum Autofahren. Zumal, wenn man überlegt, das man eine Strecke von Erkelenz nach Berlin dann ja nicht in Autobahnkilometern, sondern Luftlinie zurücklegt“, ergänzt er. Deshalb stehen für ihn berufliche Flüge ebenso auf dem Plan wie im Jahr zum Beispiel 2019 zwei Flüge nach Frankreich. Ganz wichtig ist ihm dabei natürlich das Thema Flugsicherheit. „Alle Ultraleichtflugzeuge haben im Rumpf ein Gesamtrettungssystem mit einer Rakete, die der Pilot im Notfall auslösen kann. Dann bringt ein 130 Quadratmeter großer Fallschirm die Insassen sicher zu Boden“, weiß er um die Sicherheitsaspekte des Fliegens. Dabei sei die Kommunikation untereinander und mit der Flugsicherung in Egelsbach bei Frankfurt das A und O. „Die überwachen den Luftraum und passen auf uns auf“, so Rucman.

So können er und seine Vereinskollegen der Ultraleichtfluggemeinschaft Erkelenz, deren Vereinsleben außerhalb der Flüge im Clubheim aktuell coronabedingt ruhen muss, sich nach Belieben den Traum von der Freiheit des Fliegens erfüllen. Und dabei, so sagt Rucman schmunzelnd, auch ganz einfach einmal am Wochenende in den Flieger steigen, in eineinhalb Stunden zur Nordsee fliegen und nach einem Strandspaziergang und gestärkt mit einem Fischbrötchen zurückkommen.

24.01.2021 / Super Sonntag Erkelenz - Hückelhoven - Wegberg / Seite 2